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12.01.2018 15:23 Alter: 256 Tage
Kategorie: Aktuelles, Veranstaltung, Rückblick
Von: Peter W. Ragge, mm

Karnevalisten lehnen Grußwort der Stadt ab

Vereine verärgert über Anordnung aus dem Rathaus / Bürgerdienste sollen sich aus der Verleihung des Hans-Köble-Ordens zurückziehen


Bei der Verleihung des Hans-Köble-Ordens am Sonntag in Käfertal wird es kein Grußwort der Stadt geben. Die beiden Käfertaler Karnevalsvereine, „Löwenjäger“ und „Spargelstecher“, haben auf ein entsprechendes Angebot von Bürgermeister Lothar Quast ausdrücklich und per Brief verzichtet. Hintergrund ist der Streit um den Rückzug der Stadt aus Vorortveranstaltungen. Davon ist in Käfertal neben dem Neujahrsempfang und dem Volkstrauertag auch der Köble-Orden betroffen.

Der Hans-Köble-Orden gilt als höchste Auszeichnung von Käfertal. Köble war ein Vollblutfasnachter. Er lehnte nicht nur jegliche Art von Bezahlung für seine Auftritte kategorisch ab, sondern trat auch nach der – von heftigem Streit begleiteten – Trennung der Käfertaler Karnevalisten in den 1950er Jahren in „Löwenjäger“ und „Spargelstecher“ weiter bei beiden Vereinen auf. Köble starb kurz nach Erreichen seines 80. Geburtstages durch einen tragischen Unglücksfall. Ihm zu Ehren haben dann die Käfertaler Karnevalisten 1979 einen Orden gestiftet, der seit 1980 alljährlich an höchstens drei Personen verliehen wird, die sich um die Käfertaler Fastnacht verdient gemacht haben. Dabei wird je ein Aktiver aus beiden Vereinen ausgezeichnet, dazu ein Vertreter des öffentlichen Lebens – darunter zahlreiche Stadträte und Bürgermeister.

Lange war die Verleihung des Ordens die einzige gemeinsame Veranstaltung beider Käfertaler Karnevalsvereine. Der jeweilige Gemeindesekretär, später Bürgerdienstleiter, gehörte neben Repräsentanten beider Vereine als neutrales Mitglied der Jury an, unterzeichnete und verschickte die Einladung, überreichte dann den Orden – bis 2017. Nun darf er es nicht mehr.

Priorisierung von Aufgaben

Das entschieden Oberbürgermeister Peter Kurz und die für die Bürgerdienste zuständige Bürgermeisterin Felicitas Kubala – trotz aller Kritik aus SPD, CDU und ML. Weil die Veranstaltungen in den Vororten „bislang in sehr unterschiedlichem Maße“ von den Bürgerdiensten vor Ort unterstützt worden seien, habe man sich „im Rahmen der inneren Organisation entschieden, eine Vereinheitlichung der Strukturen durchzuführen und zukünftig nicht mehr als Mitveranstalter zu wirken“.

Die sechs Bezirks-Bürgerdienstleiter dürften nur noch „präsent sein und beratend zur Verfügung“ stehen, mehr aber nicht. „Durch Priorisierung der Aufgaben können freiwillige Leistungen nicht mehr in dem Umfang der bestehenden Struktur aufrechterhalten werden“, so die offizielle Begründung in der Gemeinderatsvorlage der Stadt.

Das führte bereits beim Volkstrauertag und den Neujahrsempfängen zu Unmut, nun eben auch beim Köble-Orden. „Wir finden das sehr ärgerlich“, so „Löwenjäger“-Präsident Michael Plep: „Immer heißt es, man sei bürgernah, aber in Wirklichkeit ziehen sie sich zurück“, klagt er. „Wenn die sich immer mehr aus allem herausziehen, wenn wir ihnen die paar Briefmarken nicht mehr wert sind, dann brauchen wir auch kein Grußwort“, so Plep. Er bestätigt ebenso wie „Spargelstecher“-Präsident Alexander Boppel den Brief an die Stadt, wonach Quast zwar als Gast, aber nicht am Rednerpult willkommen sei. „Wenn die Stadt sich nicht mehr einbringen möchte, braucht von denen hier auch keiner zu sprechen“, so Alexander Boppel.